Geduld wird auf eine harte Probe gestellt

Die Mitglieder des Vereins „Freunde der Appretur Isny e.V.“ trafen sich zur Jahreshauptversammlung

Gut 20 Mitglieder des Bürgerprojekts „Freunde der Appretur“ haben sich im Kurhaus zur dritten Hauptversammlung seit der Vereinsgründung getroffen. Die Vorsitzende, Petra Eyssel, erinnerte zunächst noch einmal an Sinn und Absicht des Vereins: Die Appretur – das Baudenkmal im Besitz der Stadt Isny – vor weiterem Verfall zu schützen, es nicht verlorengehen zu lassen, ihm wieder Leben einzuhauchen. „Nicht locker lassen, ’it luk lau’, so sagen wir Allgäuer – und mit möglichst vielen Mitgliedern im Rücken wird eines Tages unser Traum in Erfüllung gehen“, stimmte Eyssel in den Abend ein.

Die mit der Stadtmauer verbaute Appretur ist ein Teil des gewachsenen historischen Stadtbildes. Nach heutigem Erkenntnisstand ist es eines der frühesten noch erhaltenen Zeugnisse der regionalen Industriegeschichte in Oberschwaben. Über Generationen hinweg diente sie der Firma Springer für die Veredelung von Leinen- und Baumwolltüchern – und als. Deshalb hätten sich die „Freunde der Appretur Isny“ auch eingebracht in ein Erinnerungscafé des Museumsprojekts „Panorama-Partner“, bei dem über 40 Menschen aus der letzten Springer-Mitarbeiter-Generation aus ihrem Arbeitsleben erzählten. Das Gebäude sei also in doppelter Hinsicht ein unverzichtbares Lebenszeugnis der Stadt, sowohl sozialals auch baugeschichtlich.

Unter den Vereinsmitgliedern sei die Genugtuung zu spüren, als Teil eines Bürgerprojekts an der Erhaltung dieses Isnyer Kulturerbes mitwirken zu dürfen; miteinander Kreativität zu entwickeln, damit für kommende Generationen etwas entsteht, an dem sich Isnyer und Gäste wieder freuen können. Große Stichworte nannte die Vorsitzende Petra Eyssel, die auch zur Beteiligung und zur Mitgliederwerbung anregen sollen: Die Wiederbelebung könne in Richtung Kultur oder Natur oder Genuss gehen, in Bewegung und Sport oder einer Kombination dieser Ideen. Dass zur baulichen Erhaltung auch ziemliche Mittel nötig sein werden, scheint allen bewusst zu sein. Ganz zu schweigen von der Notwendigkeit erheblicher baulicher Veränderungen im Innern damit eine bestimmte Benutzung überhaupt möglich sein wird. Weil das Landesamt für Denkmalpflege ein Wörtchen mitzureden hat, zeige sich längst, dass die Geduld aller Beteiligten auf eine harte Probe gestellt werde.

Liane Menz, die zweite Vorsitzende, ließ das vergangene Vereinsjahr in Bildern Revue passieren. Architektin Christine Mayr-Baldauf wurde mit der Erstellung einer Machbarkeitsstudie beauftragt. Ein Höhepunkt des Jahres mit vielen Besuchern in der Appretur sei die Lesung mit Sharon Dodua Otoo im Rahmen des Allgäuer Literaturfestivals gewesen. Auch die Mitglieder des SPD Ortvereins Isny hätten großes Interesse am Stand der Dinge gezeigt. Dem folgte ein zünftiger Abend der Begegnung am Lagerfeuer vorder Appretur. Menz erinnerte außerdem noch einmal an die Ideen der Architekturstudenten der Hochschule Konstanz und deren teils faszinierende Modelle. Was längst kommuniziert ist, folgte ebenso: Der Verein „Gesundheitswelt Überruh“ zeigte Interesse an der Nutzung der Appretur und stellte an einem Stand in der Stadt seine mögliche Nutzungsvision vor.

Gegen Ende 2017 begann die von der Stadt beauftragte bauhistorische Untersuchung und Dokumentation, die das Landesamt für Denkmalschutz zuvor gefordert hatte. Denn jeder Nutzungsüberlegung und baulichen Veränderung müssen eingehende Untersuchungen und auch Genehmigungen vorausgehen. Gegenwärtig könne deshalb nicht weitergedacht, geschweige denn weiter geplant werden. Jetzt müsse auf die Ergebnisse gewartet werden. Für April 2018 seien die alles entscheidenden Ergebnisse und Gespräche, auch mit der Stadt, in Aussicht gestellt.

Beim detaillierten Kassenbericht von Anke Tregner wurde deutlich, dass rund 4000 Euro durch ihre Bücher gehen. Im Wesentlichen sind dies Beiträge der aktuell 126 Vereinsmitglieder und Spenden.

Die Wahlen der Appretur-Freunde waren schnell erledigt, denn die bisherige Vorstandschaft stellte sich für weitere zwei Jahre zur Verfügung und wurde einstimmig wiedergewählt: Es bleiben Petra Eyssel erste und Liane Menz zweite Vorsitzende, Anke Tregner weiter Kassier, Silke Denniger Schriftführerin und Ursula Gutmair für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

 

Vorstand v. l. Anke Tregner, Liane Menz, Ursel Gutmair, Petra Eyssel, Silke Denniger.


Schwäbiche Zeitung – Ausgabe 4. April 2018 – Walter Schmid