Die Appretur wieder aufleben lassen

„Denkbar“ will Appretur wiederbeleben

Für Projekt soll Genossenschaft gegründet werden – Realisierung bis 2020 geplant

Appretur-im-Winter-2015
Die Appretur an der Stadtmauer steht seit einigen Jahren leer. (Foto SZ- Michael Panzram)

Isny sz Die Bürgergruppe „Denkbar“ will die Appretur an der Stadtmauer wieder mit Leben füllen. Das seit 2011 leer stehende historische Gebäude soll ein „Ort der Begegnung“ werden. Um das Projekt zu finanzieren, soll eine Genossenschaft gegründet werden; außerdem bewirbt sich die „Denkbar“ mit ihrem Vorhaben um finanzielle Mittel aus dem Leader-Programm. Am kommenden Montag wollen „Denkbar“-Mitglieder ihre Überlegungen dem Gemeinderat vorstellen.

„Was wird aus mir?“ stand in der Blauen Museumsnacht vor eineinhalb Jahren an einer Innenwand in der Appretur. Dort konnten Bürger ihre Ideen und Wünsche für das während der Industrialisierung erbaute, als Fabrik genutzte und von Arbeitern bewohnte Gebäude aufschreiben – die „Denkbar“ wertete die Antworten aus. Heraus kam der Wunsch nach einer vielfältigen Nutzung.

Auf dieser Grundlage ist nun entstanden, was die Bürgergruppe bis zum Jahr 2020 realisieren will. In der Appretur soll ein Bio-Restaurant mit kleinem Hotel entstehen. Dessen Betreiber solle der Hauptträger sein, erklärt „Denkbar“-Mitglied Petra Eyssel. Zusätzlich sollen weitere Räume vermietet werden. Auch ist eine „sozialverträgliche Vermietung des öffentlichen Raumes an interessierte Gruppen und Projekte“, wie etwa Künstler angedacht. Eingebunden werden soll auch der angrenzende Diebsturm.

In einem ersten Schritt hat sich die „Denkbar“ mit dem Projekt um finanzielle Unterstützung aus dem Leader-Programm beworben. Bis Ostern soll feststehen, ob die Appretur in Isny berücksichtigt wird. Darüber hinaus will die Bürgergruppe sich vor Ort vernetzen. Der städtische Wirtschaftsbeauftragte Claus Fehr war bereits in einer „Denkbar“-Sitzung zu Gast und signalisierte das Interesse der Stadt, der das Gebäude gehört, an dem Projekt. Angedacht ist laut „Denkbar“, die Appretur für etwa 90 Jahre in Erbpacht zu erwerben. Am kommenden Montag will die Bürgergruppe zudem den Gemeinderat mit einem kurzen Vortrag über ihr Projekt informieren.

Gesamtkosten liegen bei etwa zwei Millionen Euro
Erste Schätzungen seitens der Stadtverwaltung für das Projekt liegen bei Gesamtkosten von etwa zwei Millionen Euro. Die Kosten sollen laut „Denkbar“ etwa zur Hälfte durch eine Genossenschaft und Eigenleistungen von Bürgern gedeckt werden. Die andere Hälfte könnte durch Fördergelder wie etwa die aus dem Leader-Programm, oder aus verschiedenen Stiftungen, Spenden und nicht zuletzt durch die Stadt Isny bezahlt werden. Die genossenschaftlichen Strukturen sollen dem Projekt eine nachhaltige Sicherung gewährleisten.

Um sich bei einem Experten zu informieren, wie ein solches Vorhaben richtig angegangen und vermarktet werden könnte, haben sich „Denkbar“-Mitglieder bereits mit dem Leutkircher Unternehmer Christian Skrodzki getroffen.

Ihrer Bewerbung um Fördergelder aus dem Leader-Programm hat die „Denkbar“ auch einen konkreten Zeitrahmen beigelegt. Im Frühjahr soll die Genossenschaft gegründet , ein Expertenteam gebildet und ein Masterplan erstellt werden. 2016 soll ein Leitbild beziehungsweise Nutzungskonzept entstehen, Architekten gesucht und Genossen akquiriert werden. 2017 könnten dann weitere Ausschreibungen erfolgen, Verträge unterschrieben und mit dem Bau begonnen werden. 2018 und 2019 ist die Bauphase geplant, 2020 das Eröffnungsfest.

Eine „Oase an der Stadtmauer“ erhalten
Grundsätzlich schwebt der „Denkbar“ vor, rund um die Appretur eine Begegnung ohne Konsum zu ermöglichen, eine „Oase an der Stadtmauer“ zu erhalten, verschiedene Freizeitangebote wie Kleinkunst oder Boulespiel und biologisches Essen in einem kleinen Lokal anzubieten, was es bisher in Isny nicht gebe.

Schwäbische Zeitung – 19. Februar 2015